Kreisverwaltung Germersheim

Willkomm - interkulturelle Unterbringungsmaßnahmen

Standort und Bedarfsanalyse, räumlicher Wirkungskreis

Zielobjekt des Projektes ist der Landkreis Germersheim.

Im Landkreis Germersheim leben rund 126.000 Menschen, davon rund 38.000 in den verbandsfreien Städten Germersheim und Wörth, weitere 88.000 in 6 Verbandsgemeinden mit jeweils mehreren, teilweise kleinen Ortsgemeinden unter 2.000 Einwohnern.

Der Ausländeranteil an der Wohnbevölkerung liegt im Landkreis bei knapp 10 Prozent, mit starken Unterschieden bei der Verteilung auf die Wohnorte. So liegt der Ausländeranteil in Bellheim bei knapp 5, in Germersheim bei über 21 Prozent. Hinzu kommt noch ein hoher Anteil von Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit mit Migrationshintergrund. Der Kreis Germersheim hat die spezifischen Chancen und Herausforderungen dieser Situation erkannt und erarbeitet derzeit ein kreisweites Integrationskonzept.

Ein großer Teil der Angebote im Bereich der sozialen Beratung und Betreuung sowie der medizinischen Versorgung im Landkreis konzentriert sich auf die Stadt Wörth und insbesondere die Kreisstadt Germersheim. Die Anbindung der kleineren Orte an die infrastrukturellen Zentren mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist auf eine Basisversorgung begrenzt.

Die Gesamtheit der aktuell 1200 Asylbewerber mit Aufenthaltsgestattung im Kreis Germersheim ist dezentral auf die 31 Ortsgemeinden und Städte des Kreises verteilt. Hierdurch werden zwar viele Probleme, die durch eine zentrale Unterbringung entstehen würden vermieden, andererseits erschwert die dezentrale Unterbringung vor dem Hintergrund der bestehenden Infrastruktur des Kreises die Teilhabemöglichkeiten der Asylbewerber erheblich.

Im Caritas-Zentrum Germersheim gibt es eine Migrationsberatung mit einem Umfang von regulär 4 Wochenstunden, die bis zum 31.12.2014 auf 7 Stunden pro Woche aufgestockt ist. Darüber hinaus wird im Kreis Germersheim Migrationsberatung durch das Diakonische Werk und die Jugendmigrationsdienste des Internationalen Bundes e. V. und des CJD erbracht.

Die hier gegebenen Beratungskapazitäten reichen angesichts der stetig steigenden Zahl von neu in den Landkreis zuziehenden Asylbewerbern und deren besonderen Beratungs- und Unterstützungsbedarfen insbesondere in den ersten Monaten ihres Aufenthalts bei weitem nicht aus. Für 2014 geht die Kreisverwaltung von insgesamt 310 neuen Asylbewerbern aus, in 2015 werden weitere rund 300 neue Asylbewerber erwartet. Auch durch andere Beratungsangebote im Kreis, etwa durch die Allgemeine Sozialberatung des Caritas-Zentrums Germersheim, ist diese Lücke nicht zu schließen.

In verschiedenen Orten des Kreises Germersheim engagieren sich Menschen, teilweise in Anbindung an Kirchengemeinden oder Migrantenorganisationen, teilweise in privater Initiative ehrenamtlich in der Betreuung und Begleitung der Asylbewerber. Diese Initiativen sind zwar zu begrüßen, es zeigt sich aber, dass Ehrenamtliche ohne Schulung und professionelle Begleitung mit den komplexen Lebenssituationen der Flüchtlinge leicht überfordert sind und große Unsicherheit besteht.

Einen eigenen AK für das Thema „ Asyl/ Migration“ gibt es im Landkreis derzeit nur auf der Ebene der Pfarrei Germersheim/Sondernheim/Lingenfeld/Schwegenheim, der durch das Caritas-Zentrum Germersheim begleitet wird.

 

Zielgruppe

Das Projekt richtet sich an Asylbewerber mit Aufenthaltsgestattung, die im Landkreis GER leben. Die meisten Asylbewerber stammen aus den Ländern: Syrien, Serbien, Eritrea, Afghanistan und Albanien.

Eine zweite Zielgruppe stellen die Angehörigen der Aufnahmegesellschaft dar.

 

Zielsetzung und Maßnahmen

 

Mit dem Projekt sollen folgende Ziele erreicht werden:

 

1. Die neu ankommenden Asylbewerber erfahren, dass sie im Kreis Germersheim willkommen sind und Unterstützung für ihre Anliegen finden.

2. Den Asylbewerbern wird durch ein niedrigschwelliges Beratungsangebot mit den Schwerpunkten Sozial- und Verfahrensberatung Sicherheit hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen und rechtlichen Situation vermittelt.

3. Die Asylbewerber sind mit der Wohnbevölkerung ihrer neuen Wohnorte in Kontakt und können sich in bestehenden Einrichtungen und Organisationen einbringen.

4. Geschulte ehrenamtliche Mitarbeiter engagieren sich mit fachlicher Begleitung in der Betreuung der Asylbewerber vor Ort.

5. Den Asylbewerbern stehen Angebote für ein an Alltagssituationen orientiertes Erlernen der deutschen Sprache zur Verfügung.

6. Die Mehrheit der Bevölkerung vor Ort betrachtet die Asylbewerber als bereichernden Bestandteil des Gemeinwesens.

7. Der überwiegende Anteil der Aufnahmegesellschaft ist über die Fluchtgründe und Verfolgungsschicksale informiert. Die Auswirkungen der Fluchtbewegungen auf die Gemeinden im Landkreis werden sachgerecht und lösungsorientiert diskutiert.

Zur Erreichung der Ziele werden folgende Maßnahmen durchgeführt:

 

M 1: Begrüßung und Unterstützung beim Ankommen der Asylbewerber im Landkreis

Die neu im Landkreis ankommenden Asylbewerber werden  begrüßt. Sie erhalten dabei eine Willkommenstasche mit Informationen (soweit möglich in der Landessprache der Herkunftsländer) über soziale und medizinische Einrichtungen, Verkehrsverbindungen, Einkaufsmöglichkeiten und sonstige infrastrukturellen Einrichtungen im Landkreis. Die Asylbewerber von den Mitarbeitern in ihren zukünftigen Wohnort begleitet beziehungsweise in den folgenden Tagen dort besucht. Dabei erhalten die Asylbewerber eine erste Information über Kontakt- und Unterstützungsmöglichkeiten vor Ort.

Eine Unterstützung der Fachkräfte durch ehrenamtliche Mitarbeiter erfolgt, sobald entsprechend geschulte Kräfte zur Verfügung stehen.


 M 2: Sozial- und Verfahrensberatung für Asylbewerber in dezentralen Sprechstunden

Für den nördlichen und den südlichen Teil des Landkreises wird jeweils ein für Asylbewerber spezifisches Angebot der Sozialberatung und der Verfahrensberatung eingerichtet. Die Beratungsangebote haben jeweils den Umfang von 50 % einer Vollzeitstelle. Die Einrichtung der Stelle im Norden für die Stadt Germersheim und die Verbandsgemeinden Lingenfeld, Bellheim und Rülzheim erfolgt durch das Caritas-Zentrum Germersheim. Die Stelle im Süden für die Stadt Wörth und die Verbandsgemeinden Jockgrim, Kandel und Hagenbach wird durch den Internationalen Bund e. V. eingerichtet. Neben den Sprechzeiten in den Beratungsstellen werden Außensprechstunden in den Verbandsgemeinden und aufsuchende Beratung durchgeführt. Der Zugang der Asylbewerber zur Beratung wird dadurch erleichtert und Wartezeiten verkürzt. Bei den Beratungsgesprächen kann bei Bedarf auf das Angebot des ehrenamtlichen „Dolmetscherpools“ beim Fachbereich Translations- Sprach und Kulturwissenschaft der Universität Mainz zurückgegriffen werden. Die Verfahrensberatung wird durch einen Honoraranwalt des Caritasverbandes für die Diözese Speyer e. V. unterstützt.

 

M 3: Sozialpädagogische Begleitung, Unterstützung beim Zugang zu den Angeboten im Sozialraum

Schwerpunkt der Tätigkeit wird neben der aufsuchenden Betreuung und Unterstützung der Asylbewerber in den Wohnorten die Kontaktpflege mit den verschiedenen Akteuren in den Sozialräumen sein, um den Asylbewerbern einen Zugang zu deren Aktivitäten zu erleichtern. Hierbei bietet sich eine enge Zusammenarbeit mit den FamoSA-Stellen an. Diese wurden im Jahr 2013 im Rahmen familienorientierter sozialer Arbeit als ein landkreisweites, flächendeckendes und sozialräumliches Hilfs- und Beratungsnetz für Familien in den Verbandsgemeinden und verbandsfreien Städten eingerichtet. Nach rund zweijähriger Tätigkeit sind diese Stellen in den Sozialräumen gut integriert und verfügen über eine Vielzahl von Netzwerkpartnern.

 

M 4: Alltagsorientierte Sprachkurse:

Auf Ebene der Verbandsgemeinden und Verbandsfreien Städte werden Sprachkurse eingerichtet, in denen die Asylbewerber direkt nach ihrem Eintreffen mit dem Erlernen der deutschen Sprache beginnen können. Die Inhalte der Sprachkurse sind dabei an Alltagssituationen orientiert. Die Konzipierung und Durchführung der Kurse erfolgt in Zusammenarbeit mit den örtlichen Volkshochschulen und den „Cross Borders“, einer ehrenamtlichen Studenteninitiative des Fachbereichs Translations- Sprach- und Kulturwissenschaft der Universität Mainz mit Standort in Germersheim. Cross Borders engagiert sich in der Flüchtlingsbetreuung und bietet bereits jetzt einen niedrigschwelligen Deutschkurs für Anfänger an.

 

M 5: Aufbau ehrenamtlicher Helfergruppen, Schulung und Begleitung von Ehrenamtlichen

Die Arbeit der hauptamtlichen Mitarbeiter bedarf der Ergänzung und Unterstützung durch ehrenamtliche Mitarbeiter. Zur Erfüllung ihrer anspruchsvollen Aufgabe bedürfen die Ehrenamtlichen der Schulung und der fortlaufenden Begleitung, die im Rahmen des Projektes durch das Caritas-Zentrum Germersheim und seinen Kooperationspartnern sichergestellt wird. Nach entsprechender Vorbereitung können die ehrenamtlichen Mitarbeiter Aufgaben wie die Begleitung zu Behörden, Ärzten und Beratungsstellen, Unterstützung beim Schriftverkehr, Hilfe bei der Orientierung im Sozialraum und die Durchführung von Begegnungsveranstaltungen übernehmen.

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter erfüllen außerdem eine Multiplikatoren-Funktion innerhalb der Aufnahmegesellschaft und sorgen damit für mehr Akzeptanz und Toleranz vor Ort.

Die Akquise der ehrenamtlichen Mitarbeiter erfolgt über bestehende Kontakte zu Vereinen, Kirchengemeinden, der Vernetzung mit den Migrationsbeiräten der Stadt und des Landkreises, sowie verschiedenen Migranten-Organisationen, die im Laufe der Jahre aufgebaut wurden. Von großer Bedeutung ist dabei, auch die betroffenen Asylbewerber miteinzubeziehen und zur Mitarbeit in den ehrenamtlichen Helfergruppen zu gewinnen. Sie sind dadurch als Experten in eigener Sache tätig und können ihre vorhandenen Ressourcen und Qualifikationen einbringen und weiterentwickeln. Durch die Zusammenarbeit von Einheimischen und Asylsuchenden in den Helfergruppen wird die gegenseitige Wahrnehmung positiv beeinflusst. Die Asylsuchenden, werden dadurch selbst zu Multiplikatoren, die auch nach ihrer Anerkennung weiter in den Gruppen mitarbeiten können und damit nachhaltigen Gewinn für die Betreuung künftiger Asylbewerber darstellen.

 

M 6: Mehrsprachige Online-Infobörse

Im Rahmen des Projektes wird eine mehrsprachige Online-Infobörse mit für Asylbewerber relevanten Themen aufgebaut. Hier können Synergieeffekte mit dem „Sozialatlas“ genutzt werden. Der Sozialatlas wird derzeit durch die Kreisverwaltung Germersheim erarbeitet und ist ebenfalls als mehrsprachiges Onlineangebot konzipiert.

 

M 7: Koordinierung, Öffentlichkeitsarbeit, Lobbyarbeit für Flüchtlinge

Zur Verbesserung der Koordination der einzelnen Angebote für Flüchtlinge und der Lobbyarbeit für Flüchtlinge wird auf Kreisebene ein Arbeitskreis Asyl eingerichtet. Die Leitung des Arbeitskreises erfolgt durch einen Mitarbeiter der Kreisverwaltung Germersheim.

Darüber hinaus gehören zu dessen Aufgaben die Wahrnehmung der Öffentlichkeitsarbeit, Organisation von Vorträgen und Podiumsdiskussionen, Kontaktpflege zu Vertretern der Kommunalpolitik und zu überregionalen Flüchtlingsorganisationen wie AK Asyl Rheinland-Pfalz und Pro Asyl.

 

Auswirkungen des Projekts auf das regionale Umfeld

Durch den Austausch und eine gezielte Vernetzung zwischen den kommunalen Behörden und Beratungsstellen ergeben sich neue Kooperations-und Kommunikations-Strukturen mit einem hohen Grad an Transparenz und Tragfähigkeit. Ein optimierter und dauerhafter Zugang zu allen Beratungs-und Integrationsangeboten ist für die Asylbewerber gesichert. Es haben sich Willkommensstrukturen etabliert.

Darüber hinaus besteht für Asylbewerber die Möglichkeit der Weiterqualifizierung schon während der Wartezeit im Asylverfahren an verschiedenen Standorten. Die Zukunftsfähigkeit der Region kann verbessert werden, indem die Aufnahmegesellschaft bereit ist, das Potenzial junger und gut qualifizierter Asylbewerber zu erkennen und zu nutzen. Dies gilt für den Ausbildungs-und Arbeitsmarkt, der vielfach vom Fachkräftemangel betroffen ist. Dies gilt aber auch für den Erhalt von ehrenamtlichen Strukturen wie Sportvereinen oder der freiwilligen Feuerwehr. Aufgebaute Helferstrukturen sichern dauerhaft den Fortbestand verschiedener Maßnahmen und Angebote.

 

Projekt- und Qualitätsmanagement

Einrichtung einer Steuerungsgruppe der Kooperationspartner

Die Kooperationspartner richten eine Steuerungsgruppe unter der Leitung des  federfürhenden FBs ein. Die Steuerungsgruppe koordiniert die Durchführung der Projektmaßnahmen und nimmt die Berichte zum Stand der Umsetzung und Grad der Zielerreichung entgegen.

Einrichtung eines Arbeitskreises Asyl auf Kreisebene

Auf der Ebene des Landkreises wird ein Arbeitskreis Asyl eingerichtet. Dieser hat die Aufgabe, die Abstimmung der Maßnahmen zur Asylbewerberbetreuung im Kreis zu erleichtern, die Kommunikation unter den Netzwerkpartnern zu verbessern und einen einheitlichen Informationsstand der Netzwerkpartner sicher zu stellen. Die Federführung des Arbeitskreises Asyl erfolgt durch die Fachkraft des Landkreises in Abstimmung mit der Steuerungsgruppe.

Evaluation

Die Evaluation des Projektes erfolgt durch die beteiligten Akteure unter Einbeziehung der Betroffenen. Federführend durch die Fachkraft des Landkreises erfolgt die Entwicklung, Durchführung und Auswertung von Evaluationsmethoden, -kriterien und –bögen sowie die halbjährliche Berichterstattung zur Zielerreichung in der Steuerungsgruppe.