Kreisverwaltung Germersheim

Kompostwerk Westheim soll zum umweltfreundlichen Gaslieferanten entwickelt werden

Modernisierung der Anlage und Erweiterung um eine Vergärungsanlage – Infoveranstaltungen für Bürgerinnen und Bürger

Die knapp 20 Jahre alte Kompostierungsanlage in Westheim soll erneuert und um eine moderne Vergärungsanlage für kommunale Bioabfälle erweitert werden. Das sehen die Pläne des Entsorungsunternehmens SUEZ und des Kreises vor. Vorbehaltlich der Zustimmung der Kreisgremien soll die Anlage 2019 in Betrieb gehen und insgesamt ca. 58.000 Jahrestonnen Bio- und Heckenabfälle verarbeiten. „Das bedeutet, dass Bioabfall künftig nicht mehr nur noch kompostiert, sondern auch Biogas erzeugt wird. Diese Energie, aus Bioabfall umweltfreundlich erzeugt, entspräche dann in etwa der Energieerzeugung von sechs bis sieben Windrädern“, sagt Landrat Dr. Fritz Brechtel. Eingespeist würde das Gas direkt in das vorhandene Erdgasnetz, Kompost und Flüssigdünger nähmen weiterhin landwirtschaftliche Betriebe ab. „Wie schon bisher, müssen die Menschen rund um das Kompostwerk in Westheim und Bellheim nicht mit einer störenden Lärm- oder Geruchsbelästigung rechnen, da die Anlage komplett eingehaust ist“, so Brechtel.

Das Kompostwerk in Westheim ist bisher für eine maximale Kapazität von 28.000 t ausgelegt. Die Technik allerdings ist in die Jahre gekommen und sehr störanfällig, was vermehrt zu Stillständen führt. „Eine geordnete Kompostierung mit der alten Technik ist auf absehbare Zeit hier nicht mehr möglich. Wie haben uns daher für eine Komplettsanierung bzw. Neukonzeption der Anlage entschieden“, berichtet Oliver Grimm, Geschäftsführer der SUEZ Süd GmbH.

In der geplanten Biovergärungsanlage sollen 58.000 Jahrestonnen verarbeitet werde, dies bedeutet in etwa eine Verdoppelung der aktuell genehmigten Stoffmenge von 28 000 t. Aus dem Landkreis Germersheim kommen 12.000 t Bio- und 10.000 t Heckenabfälle (22.000 t = 38 %), aus der Stadt Karlsruhe 8.000 t (14 %) und aus dem Landkreis Ludwigsburg 28.000 t (48 %) pro Jahr.

Oliver Grimm weiter: „In der weiteren Entwicklung sehen wir vor, Teilmengen aus dem Landkreis Ludwigsburg in andere ortsnähere Anlagen zu liefern und die freiwerdenden Kapazitäten für Westheim durch regionale Biomüllmengen aufzufüllen.“

„Bei der Anlieferung der Bioabfälle aus den anderen Gebietskörperschaften dürfen die Einwohnerinnen und Einwohner der angrenzenden Orte nicht zusätzlich belastet werden“, fordert Landrat Brechtel: „Die An- und Anfahrt ist daher ausschließlich über die B9, die L539 und die L538 von Bellheim nach Westheim vorgesehen, der Ortskern Westheim wird nicht durchfahren. Die Verkehrsbelastung ist weiterhin nicht gravierend. Sie wird sich von heute 30 auf künftig ca. 50 Lkw pro Tag erhöhen.“ SUEZ plant zudem über Rückfrachten die Transportbelastung um ca. 20 % zu verringern und die Spitzenbelastung der Fahrzeugbewegungen bei Ausbringung der Gärreste zu minimieren, indem bei regionalen Landwirten Silos aufgestellt und diese ganzjährig befüllt werden.

Die Kompostierungsanlage errichten und betreiben soll die BVB Biogutvergärung Bietigheim GmbH. Rainer Kübler der BVB Biogutvergärung Bietigheim GmbH: „Geruchs- und geräuschstarke Bereiche wie die Heckenkompostierung und die Nachrotte des Kompostes, die bisher im Freien stattfinden, werden aufgegeben. Alle geruchsintensiven Produktionsschritte werden bei der neuen Anlage vollständig eingehaust. Daher ist keine Erhöhung der Lärm- oder Geruchsemission zu befürchten. Entspechende Gutachten werden mit den Antragsunterlagen bei der SGD Süd in Neustadt/W. eingereicht.“

„Noch bevor die Planungen in die Gremien kommen oder irgendwelche Anträge gestellt werden, wird es für die Einwohnerinnen und Einwohner aus Bellheim und Westheim jeweils eine Informationsveranstaltung geben. Dort haben sie die Möglichkeit, Fragen und Anregungen direkt mit den Fachleuten zu besprechen“, betont Landrat Brechtel. Die beiden Termine werden in der Woche vom 28. bis 31. August stattfinden.

Außerdem bietet die Kreisverwaltung am Samstag, 26. August 2017, eine Besichtigung einer typgleichen Biovergärungsanlage in Backnang-Neuschöntal an. Abfahrt ist um 9 Uhr am Bahnhof in Germersheim. Interessierte Bürgerinnen und Bürger melden sich dafür bitte bei der Kreisverwaltung, Tel. 07274/53-342 oder per E-Mail: an. Insgesamt stehen ca. 50 Plätze zur Verfügung.

Die Mitglieder des Abfallwirtschaftsausschusses, Vertreter der Kreistagsfraktionen sowie die betroffenen Bürgermeister haben am 24. August die Gelegenheit zur Besichtigung und erhalten diesbezüglich eine gesonderte Einladung.

Die Beratung und Beschlussfassung der Planungen sind erst im September vorgesehen. Erst nach der Zustimmung des Kreistages Ende September werden die notwendigen Anträge von der Firma SUEZ Süd GmbH bei der für die Genehmigung zuständigen Behörde, der SGD Süd, eingereicht.

Bei einer ersten Vorstellung des Projektes durch die Firma SUEZ vor Mitgliedern des Abfallwirtschaftsausschusses, Vertretern der Kreistagsfraktionen, den Verbandsbürgermeistern von Bellheim und Lingenfeld sowie den Bürgermeistern von Bellheim und Westheim wurde das Vorhaben grundsätzlich positiv gewertet.