Kreisverwaltung Germersheim

Flurbereinigungsverfahren Bienwald-Ost-Kandel ist in der Umsetzung

„Durch die Erhöhung des Grünlandanteils, eine bessere Vernetzung von Biotopen und eine größere Vielfalt von Wiesen und Weiden können wir den Arten- und Biotopschutz wesentlich verbessern“, sagen Landrätin Theresia Riedmaier (SÜW) und Landrat Dr. Fritz Brechtel (GER). In der Endphase des Naturschutzgroßprojekts Bienwald geht es daher gezielt auch um die Umsetzung von Maßnahmen zur Biotoppflege und Biotopentwicklung. „Eine enge Zusammenarbeit mit dem Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum war und ist uns dabei besonders wichtig“, betonen die Landräte.

Aktuell betreut das Projektbüro mehrere Teilprojekte in der Bruchbach-Otterbach-Niederung. Nach der Genehmigung durch das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz als Flurbereinigungsbehörde und dem entsprechenden Beschluss des Vorstandes der Teilnehmergemeinschaft konnten nach einer intensiven Planungsphase jetzt konkrete Arbeiten angegangen werden.

Momentan werden verschiedene Ackerflächen für die Grünland-Einsaat vorbereitet. Insbesondere wird ein 40 Meter breiter Gewässerrandstreifen nördlich des Otterbachs (Länge 3,3 km) als Wiese angelegt und die Entflechtung der Acker- und Grünlandnutzung vorangebracht. Außerdem werden gerade Vorbereitungen getroffen, um eine Gewässerverbindung vom Flutgraben südlich der Hardtmühle zum Otterbach zu schaffen. Bei diesen Bauarbeiten müssen zeitweise die Wege einbezogen werden. Für diese vorübergehenden Unannehmlichkeiten bittet der Projektleiter des Naturschutzgroßprojektes  Bienwald, Dr. Peter Keller, um Verständnis. Er erklärt weiter: „Neben der Natur profitiert von der durch das Naturschutzgroßprojekt veranlassten Flurbereinigung auch die Landwirtschaft, da größere Bewirtschaftungseinheiten entstehen und die Wegeführungen den neuen Verhältnissen angepasst werden.“

Für die Umsetzung der geplanten Maßnahmen im Offenland ist die Zusammenarbeit mit der Flurbereinigungsbehörde, dem DLR, unabdingbar. Sie übernahm die Planungen, organisierte Sitzungen der Teilnehmergemeinschaft und koordiniert mit dem Projektbüro die Umsetzung der einzelnen Vorhaben. Ganz wesentlich für die Projektabwicklung war und ist neben der Umlegung der einzelnen Flurstücke auch die Übernahme des Grunderwerbs im Flurbereinigungsgebiet.

Im Rahmen der Verbesserungen für den Artenschutz in der Bruchbach-Otterbach-Niederung wird durch einen Verbindungsgraben zum Otterbach für die nötige Frischwasserzufuhr bei Niedrigwasser gesorgt, um die vom Aussterben bedrohte Bachmuschel zu schützen. Durch den Gewässerrandstreifen wird eine großräumige Biotopvernetzungsachse geschaffen. Darüber hinaus geht es um die Erhöhung der Vielfalt der Wiesenbiotope ebenso wie der Nutzungsvielfalt (Wiesen und Weiden). Selbst gezielte Artenschutzmaßnahmen für die gefährdeten Ameisenbläulinge können noch umgesetzt werden. Dies geschieht durch die Anpflanzung von Wiesenknopf-Setzlingen, den diese Schmetterlinge für ihre Fortpflanzung benötigen.

 

Allgemeine Informationen zum Projekt

Die Bienwaldregion zeichnet sich durch eine große landschaftliche Vielfalt und Einzigartigkeit aus. In dieser bundesweit einmaligen Natur- und Kulturlandschaft findet man zahlreiche Lebensräume sowie Tier- und Pflanzenarten, die anderswo selten sind. Daher wurde das Naturschutzgroßprojekt Bienwald ins Leben gerufen.

„Uns ist der Schutz und die schonende Entwicklung dieses einzigartigen Naturraums ebenso wichtig wie eine fortschrittliche Entwicklung des gesamten ländlichen Raums“, so die Landräte Riedmaier und Brechtel. Der Projektleiter, Peter Keller, ergänzt, dass die Zusammenarbeit mit den Landwirten, dem Forstamt und den Kommunen ganz wesentlich zum Gelingen beigetragen haben.

Gefördert wird das Naturschutzgroßprojekt Bienwald durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (70 %-Anteil), durch das Land Rheinland-Pfalz (20 %-Anteil) und die beiden Träger-Landkreise Germersheim und Südliche Weinstraße (10 %-Anteil)

Mit Beginn der zweiten Projektphase werden seit 2009 die im Pflege- und Entwicklungsplan dargestellten Maßnahmen umgesetzt. Eine wichtige Voraussetzung hierfür ist die Flächenverfügbarkeit. Hierzu können die Landkreise Grundstücke ankaufen oder in Ausnahmefällen auch über längere Zeiträume pachten. Die Abwicklung des Projektes erfolgt über ein eigens dafür eingerichtetes Projektbüro. Hier laufen alle Fäden der Projektumsetzung zusammen. Gleichzeitig ist es Anlaufstelle für Fragen aller Art. Exkursionen, Infoveranstaltungen, Internet oder Broschüren (z.B. Bienwald-aktuell) informieren regelmäßig über den Projektfortschritt.

Ein zentrales Anliegen ist das beispielhafte Miteinander von Naturschützern und Landnutzern. So sind Kommunen, betroffene Interessengruppen, Fachbehörden und die Bevölkerung von Anfang an im Projekt eingebunden. In Arbeitsgruppen und Gesprächen wurden während der ersten Phase Konzepte entwickelt, die die Bedürfnisse vor Ort berücksichtigen. Außerdem erfolgt die Umsetzung aller Maßnahmen auf freiwilliger Basis. Fachlich begleitet wird das Projekt durch das Landesamt für Umwelt.