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Prävention wirkt: Weniger Hilfefälle trotz hoher sozialer Belastung
Landkreis Germersheim setzt auf frühe Unterstützung und Hilfen vor Ort
Die Zahl der Hilfen zur Erziehung ist im Landkreis Germersheim 2025 erstmals wieder leicht zurückgegangen – und zwar über alle Hilfesegmente hinweg. Gleichzeitig hat sich die Struktur der Jugendhilfe in den vergangenen Jahren deutlich verändert: weg von stationären und damit kostenintensiveren Hilfen, hin zu früher Unterstützung, ambulanten Angeboten und Hilfen unmittelbar im Lebensumfeld der Familien.
Diese Entwicklung stellte das Institut für Sozialpädagogische Forschung Mainz (ISM) in der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses vor.
„Das Entscheidende ist für mich: Wir warten nicht, bis Probleme so groß geworden sind, dass nur noch intensive Hilfen möglich sind. Wir investieren vorher in Strukturen, die Familien möglichst früh erreichen“, sagt Landrat Martin Brandl. „Wenn es dadurch gelingt, trotz schwieriger sozialer Rahmenbedingungen die Fallzahlen zu stabilisieren und gleichzeitig weniger stationäre Hilfen zu benötigen, zeigt das, dass dieser Weg richtig ist.“
Früher helfen statt später eingreifen
Der Landkreis setzt seit Jahren bewusst auf Prävention und eine wohnortnahe soziale Infrastruktur. Dazu gehören unter anderem Schulsozialarbeit, Jugendarbeit, Frühe Hilfen sowie Familienbüros/Häuser der Familie sowie damit verbundene weitere präventive Unterstützungsstrukturen.
Das Ziel: Familien sollen Unterstützung möglichst niedrigschwellig und frühzeitig erhalten, bevor sich Problemlagen verfestigen und intensivere Hilfen erforderlich werden.
Die Zahlen zeigen, dass sich die Struktur der Hilfen entsprechend verändert hat. Seit 2002 ist der Anteil ambulanter Hilfen deutlich gestiegen, während stationäre Hilfen zurückgegangen sind. Unterstützung findet damit zunehmend dort statt, wo Kinder, Jugendliche und Familien leben.
„Wir setzen bewusst auf frühe Unterstützung und stärken die Familien dort, wo sie leben“, erklärt Jugendamtsleiterin Denise Hartmann-Mohr. „Unsere Angebote erreichen die Menschen frühzeitig und helfen, belastende Entwicklungen rechtzeitig zu stabilisieren.“
Rückgang trotz schwieriger Ausgangslage
Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung vor dem Hintergrund der sozialen Situation im Landkreis. Der Anteil der Haushalte, die auf Sozialleistungen angewiesen sind, liegt weiterhin auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Finanzielle Belastungen, schwierige Wohnverhältnisse und weitere soziale Faktoren erhöhen erfahrungsgemäß den Unterstützungsbedarf von Familien.
„Wo finanzielle Belastungen, beengte Wohnverhältnisse oder andere soziale Herausforderungen den Familienalltag prägen, steigt häufig auch der Bedarf an Unterstützung“, erläutert ISM-Geschäftsführer Heinz Müller. Umso bemerkenswerter sei es, dass die Hilfen trotz dieser Ausgangslage auf einem stabilen Niveau gehalten werden können.
Dass die Fallzahlen 2025 nun erstmals wieder leicht und über alle Hilfesegmente hinweg zurückgegangen sind, wertet das ISM als Stabilisierungseffekt.
Nicht nur Einzelfälle bearbeiten, sondern Strukturen verändern
Der Landkreis entwickelt gleichzeitig die soziale Infrastruktur weiter. Das Jugendamt übernimmt dabei zunehmend eine koordinierende Funktion zwischen Jugendhilfe, Schule, Gesundheit und sozialer Sicherung.
Ein Beispiel dafür ist das 4+1-Programm an Schulen. Es verbindet schulische Teilhabe, Inklusion und Jugendhilfe und setzt damit bewusst auf strukturelle Lösungen, anstatt ausschließlich auf klassische Einzelfallhilfen zu reagieren.
„Investitionen in Prävention und Angebote vor Ort sind Investitionen in die Zukunft“, betont der Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses und Geschäftsbereichsleiter Christoph Buttweiler: „Sie helfen nicht nur den Familien direkt, sondern tragen auch dazu bei, kostenintensive Maßnahmen zu vermeiden.“
Auch das ISM zieht eine positive Bilanz. Der Landkreis Germersheim verfüge über ein leistungsfähiges und strategisch ausgerichtetes Jugendamt, das frühzeitig in Infrastruktur investiere, Bedarfe breit erreiche und die Hilfesysteme aktiv steuere.
„Die Zahlen zeigen: Prävention wirkt“, fasst Denise Hartmann-Mohr zusammen. „Deshalb werden wir diesen Weg weitergehen: früh unterstützen, Familien vor Ort erreichen und unsere Hilfen so organisieren, dass sie möglichst nachhaltig wirken.“