Gleichstellungsbeauftragte ruft zu erhöhter Wachsamkeit auf

Wenn Ferien zur Gefahr werden: Sensibilisierung "Thema Zwangsverheiratung"

Die Sommerferien stehen vor der Tür, für die meisten jungen Menschen im Landkreis Germersheim eine Zeit der Freiheit und Erholung. Doch für einige Mädchen und junge Frauen bedeutet die Urlaubszeit eine unsichtbare, existenzielle Bedrohung: die Gefahr einer Zwangsverheiratung im Herkunftsland der Familie.

Oft werden die Betroffenen unter dem Vorwand einer Urlaubsreise ins Ausland gebracht und dort mit der harten Realität einer erzwungenen Ehe konfrontiert. „Zwangsverheiratung ist eine schwere Menschenrechtsverletzung. Sie darf nicht mit Tradition oder kulturellem Hintergrund relativiert werden“, betont Lisa-Marie Trog, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Germersheim. „Die Ferienzeit wird von betroffenen Familien häufig genutzt, da die Abwesenheit der Jugendlichen über Wochen unbemerkt bleibt. Wenn die Schule wieder beginnt, ist es oft zu spät, um aus der Ferne einzugreifen. Deshalb müssen wir alle - Freundinnen und Freunde, Nachbarinnen und Nachbarn, Lehrkräfte und Schulsozialarbeitende - genau jetzt, in den Wochen vor den Ferien, besonders gut hinschauen.“

Die Schlüsselrolle der Schulen

Da Betroffene in den Wochen vor einer Reise oft unter enormem psychischem Druck stehen, kommt dem Personal an Schulen – insbesondere Lehrkräften und Schulsozialarbeitenden – eine entscheidende Rolle zu. Sie sind häufig die Ersten, die subtile Warnsignale wahrnehmen können.

Typische Alarmzeichen in den Wochen vor den Ferien:

  • Verhaltensänderungen: Plötzlicher Leistungsabfall, sozialer Rückzug, akute Ängste oder depressive Phasen.
  • Konkrete Andeutungen: Ängste vor den Ferien, Aussagen wie „Ich werde wohl nicht mehr wiederkommen“ oder das plötzliche Tragen traditioneller Kleidung.
  • Familiärer Druck: Berichte über massive Einschränkungen der Freiheit oder strikte Überwachung durch Familienmitglieder.
  • Schulische Auffälligkeiten: Anträge der Eltern auf eine auffällig frühe Beurlaubung oder eine verspätete Rückkehr nach den Ferien.

 

Handlungssicherheit für Fachkräfte

Bei einem Verdacht ist professionelles und diskretes Handeln lebenswichtig. Die Gleichstellungsbeauftragte rät dringend:

  1. Kein Gespräch mit der Familie suchen: Dies kann die Gefahr für die betroffene Person massiv erhöhen.
  2. „Safe Space“ bieten: Der Schülerin signalisieren, dass sie in der Schule einen sicheren Ort findet.
  3. Professionelle Beratung hinzuziehen: Niemand muss diese Last alleine tragen. Es gibt spezialisierte Netzwerke für eine anonyme und rechtssichere Beratung, die man nutzen kann und sollte.

 

Wichtige Anlaufstellen

 

„Unser gemeinsames Ziel muss es sein, dass kein Kind und keine junge Frau in unserem Landkreis mit der Angst im Gepäck in die Ferien reisen muss“, so Lisa-Marie Trog. „Bitte schauen Sie hin und holen Sie sich Unterstützung. Niemand muss in einer solchen Situation alleine handeln.“

Für interessierte Schulen stehen zudem kostenlose Handlungsleitfäden, Notfall-Checklisten und Informationsmaterialien über die genannten Beratungsstellen bereit.

Kontakt:

Lisa-Marie Trog, Gleichstellungsbeauftragte Landkreis Germersheim
E-Mail: gleichstellungsbeauftragte@kreis-germersheim.de
Web: www.kreis-germersheim.de/gleichstellung