Rote Karte für häusliche Gewalt

Wenn die WM das eigene Zuhause zur Fanzone der Angst macht

Während im Landkreis Germersheim das Fußballfieber steigt und Fans gemeinsam Tore feiern, beginnt für etliche Frauen und Kinder in der Region die gefährlichste Zeit des Jahres. Die traurige Realität zeigt: Mit den Emotionen, dem steigenden Alkoholpegel und der Anspannung bei großen Sportturnieren wie der Weltmeisterschaft steigt auch das Risiko für häusliche Gewalt drastisch an.

Die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Germersheim, Lisa-Marie Trog, warnt pünktlich zum Turnierverlauf vor den oft unsichtbaren Begleiterscheinungen des sportlichen Großereignisses und fordert die Bevölkerung in der Region zu erhöhter Wachsamkeit auf.

Fußball verbindet, doch in den eigenen vier Wänden sorgt der emotionale Ausnahmezustand oft für Eskalation. Internationale Studien und die Erfahrungen von Beratungsstellen zeichnen seit Jahren ein erschreckendes Muster: Verliert die Nationalmannschaft, steigt die häusliche Gewalt um rund 38 Prozent. Doch selbst bei einem Sieg oder Unentschieden nimmt die Gewalt statistisch um 26 Prozent zu. „Für Betroffene ist die WM kein Fest, sondern ein emotionales Minenfeld“, erklärt Lisa-Marie Trog. „Alkohol, verpatzte Torchancen und angestauter Frust werden leider viel zu oft ungefiltert an Partnerinnen und Kindern ausgelassen. Wir dürfen nicht wegschauen. Häusliche Gewalt ist kein privates Beziehungsdrama, sondern eine Straftat, und die kriegt von uns im Landkreis die Rote Karte.“

Gerade während der WM-Wochen ist die Nachbarschaft gefragt. Wenn der Schlusspfiff ertönt, fängt das Grauen hinter verschlossenen Türen für manche Betroffene erst an. Lisa-Marie Trog appelliert daher eindringlich an die Bürgerinnen und Bürger im Landkreis, aufmerksam zu sein und bei Verdachtsmomenten in der Nachbarschaft oder im Freundeskreis nicht zu zögern, Hilfe zu holen.

Die Hilfestrukturen vor Ort und in der Region sind vorbereitet und bieten schnelle, vertrauliche und auf Wunsch anonyme Unterstützung.

Hier gibt es Hilfe in der Region – anonym und kostenlos:

Niemand muss die Situation alleine durchstehen. Wer Hilfe sucht oder jemanden kennt, der bedroht wird, findet bei diesen Stellen Unterstützung:

  • Frauenhaus Südpfalz: Schutz und Zuflucht für bedrohte Frauen und ihre Kinder, Tel. 06341 89626
  • Aradia Landau (Frauennotruf): Beratung bei sexualisierter Gewalt, Tel. 06341 83437, E-Mail: info@aradia-landau.de
  • Interventionszentrum gegen häusliche Gewalt Südpfalz: Unmittelbare Unterstützung, Krisenintervention und Beratung, Tel. 06341 381922
  • Weisser Ring e.V. (Außenstelle Südpfalz): Hilfsorganisation für Opfer von Kriminalität und Gewalt, Tel. 07272 7403731, 0173 9899472 oder AS.Suedpfalz.Weisser.Ring@web.de
  • Bundesweites Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“: Tel. 116 016 (Kostenlos, anonym, 24/7, in 18 Sprachen, auch online unter www.hilfetelefon.de)
  • Bundesweites Männerhilfetelefon: Beratung für Männer, die von häuslicher oder sexualisierter Gewalt betroffen sind.
    Tel. 0800 1239900 (Kostenlos und anonym, www.maennerhilfetelefon.de)
  • Im Notfall immer die Polizei (Notruf): Tel. 110
  • Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Germersheim Lisa-Marie Trog: Tel. 07274 53-1109 oder gleichstellungsbeauftragte@kreis-germersheim.de