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Über Umwege zur Unternehmensnachfolge
Wie ein Südpfälzer seinen eigenen Weg im Handwerk fand
Dass Handwerksbetriebe keinen Nachfolger finden und deshalb die Türen schließen müssen, hört man immer wieder. Dass und wie in Kuhardt die Nachfolge bei einem kleineren Bauunternehmen gelungen ist, hat sich Wirtschaftsförderin Maria Farrenkopf Anfang Juni von dem neuen Inhaber Sebastian Serr erzählen lassen:
Der heute 35-jährige absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Mechatroniker in einem Germersheimer Industriebetrieb. Er musste aber erkennen, dass auch das zunächst begonnene Maschinenbau-Studium eigentlich gar nicht das war, was er wollte. Sebastian Serr wagte einen Neuanfang – und fand im Handwerk seine berufliche Heimat. Er begann eine Ausbildung zum Maurer und entdeckte dabei genau das, was ihm zuvor gefehlt hatte: praktische Arbeit, sichtbare Ergebnisse und die Möglichkeit, mit den eigenen Händen etwas zu schaffen. Mit der anschließenden Meisterausbildung rundete er sein berufliches Profil ab und startete in 2019 beim Bauunternehmen Felix Lösch in Kuhardt.
Dort überzeugte er nicht nur auf der Baustelle. Nach und nach übernahm er zusätzliche Aufgaben, kümmerte sich um Angebote, Aufmaße und Kalkulationen und gewann immer mehr Einblick in die betriebliche Organisation.
Als sich die Frage nach der Zukunft des Unternehmens stellte, zeigte Sebastian Interesse an einer Übernahme. Für Felix Lösch, der den Betrieb selbst 1999 von seinem Vater übernommen hatte, war schnell klar, dass hier jemand Verantwortung übernehmen wollte und konnte. Die Einigung erfolgte zügig.
Einfach war der Weg zum eigenen Unternehmen dennoch nicht. Finanzierung und bürokratischen Anforderungen kosteten Zeit, Energie und manche Nerven. „Durchhalten“ lautete die Devise. Nach rund einem halben Jahr war die Nachfolge schließlich unter Dach und Fach.
Heute führt Sebastian den Betrieb mit vier Vollzeit- und zwei Teilzeitkräften. Trotz aller neuen Aufgaben sitzt er nicht nur im Büro. Wer ihn sucht, findet ihn häufig noch auf den Baustellen, Seite an Seite mit seinem Team. Gleichzeitig richtet er den Blick nach vorn. Eine neue Branchensoftware wird derzeit eingeführt, die Webseite wird bald modernisiert, und er denkt sogar darüber nach, künftig selbst auszubilden, um jungen Menschen eine Perspektive im Handwerk zu bieten.
Im Gespräch wurde schnell deutlich, warum diese Nachfolge gelungen ist: Sebastian hatte den Mut, einen neuen Weg einzuschlagen, und Felix Lösch das Vertrauen, ihm Verantwortung zu übertragen. Aus dieser Kombination entstand Schritt für Schritt eine erfolgreiche Betriebsübergabe.
